Nachbeben im Ortskartell

ALBERT PAUKERT UND JÜRGEN GANNS IM MAREISSAAL BEI DEN VEREINEN.

Wogen zu glätten galt es in der jüngsten Sitzung des Ortskartells im Mareissaal. Hintergrund war die Auseinandersetzung zwischen der Stadt und dem Gewerbeverband wegen des Kirchweihmarktes. Der Gewerbeverband, der mit den Vereinen auch den Christkindlmarkt und das Bürgerfest organisiert, hatte wegen nicht erfüllter Sicherheitsauflagen ein Zwangsgeld von 2500 Euro auferlegt bekommen, woraufhin der Vorsitzende von seinem Amt als Organisator zurückgetreten war (wir berichteten).

Kolbermoor – Günther Zellner als Vorsitzender des Ortskartells hatte Albert Paukert, dem Leiter des Ordnungsamtes der Stadt, eingangs die Möglichkeit gegeben, vor den Vereinsvertretern über die Sicherheit und die gesetzlichen Vorgaben bei öffentlichen Veranstaltungen zu sprechen. Paukert ist gerade dabei, einen Leitfaden für die Vereine zu entwerfen, den sie bei eigenen Veranstaltungen und Festen dann einfach abarbeiten können. Die Auflagen dienten dem Schutz von Leben, Gesundheit, Umwelt und Sachwerten. Dabei geht es von der Breite der Rettungsgasse über den Feuerlöscher bis zu den „Hinweisen für die Kuchenabgabe“. Das oft gehörte Argument, „Das haben wir vor 20 Jahren auch nicht gebraucht“, ließ Paukert nicht gelten: „Das Sicherheitsbedürfnis hat sich geändert.“ Zudem seien auch die Veranstalter immer stärker in der Verantwortung.

Ein Vereinsvertreter stellte dann freilich gleich den aktuellen Bezug her: Diese Sicherheitsbestimmungen seien absolut wichtig – nur wenn etwas mal nicht so klappe, müsse man mit dem Verantwortlichen doch auch mit Fingerspitzengefühl umgehen. Er erhielt viel Beifall aus der Runde – und Bürgermeister Peter Kloo stellte dann die Lage aus Sicht der Stadt vor. Er betonte, alles sei explizit besprochen worden, und wenn man dann feststelle, dass von zehn Verkehrsanordnungen nur zwei aufgestellt worden seien, dann „machen wir uns doch lächerlich, wenn wir wieder nur Gespräch auf Gespräch führen“. Das Ganze sei „nicht aus heiterem Himmel“ gekommen. Die Stadt könne auch nur auf die Mängel hinweisen – sie aber nicht abändern, weil sonst sie die Verantwortung übernähme. Außerdem, so Paukert, habe er dem Organisator zu Beginn des Kirchweihmarkts angeboten, einen Rundgang mit Blick auf die Mängel über den Markt zu machen, was dieser abgelehnt habe. Stattdessen habe er die Marktgebühren kassiert.

Auch Jürgen Ganns, Vorsitzender des Gewerbevereins und Organisator besagter Feste, konnte unter dem Motto „Stadt voller Leben“ seine Arbeit und die damit verbundenen Probleme darstellen. Er wolle eine ehrliche Zusammenarbeit mit der Stadt, kein „Kräftemessen“. Für das Bürgerfest etwa habe er schon vor Wochen um Unterstützung aus Reihen der Vereine für sieben Teams gebeten – zwei Personen hätten sich bislang gemeldet. Beim Kirchweihmarkt habe er dann „Riesenärger“ mit Standlleuten bekommen, weil er, um die Sicherheitsauflagen zu erfüllen, ihre Positionen verändert habe. Vor einem Imbisswagen sei es zu einer „lauten Informationsübergabe“ mit dem Chef des Ordnungsamts gekommen, so laut, dass sich die Leute „in fünf bis zehn Metern Entfernung umgedreht haben“. Daraufhin habe er zu keinem Rundgang mehr starten wollen; habe aber zwei andere Personen benannt. Inzwischen sei er in Sorge um seine Gesundheit, weshalb er sich auch von der Organisation zurückgezogen habe. Den Rückzug bezog er mehrfach ausdrücklich auf die „aktuelle Konstellation“.

Dann machte er mit bunten Bildern Lust auf den bevorstehenden Christkindlmarkt, der wie geplant stattfinden wird. Die Organisation hat Peter Schmid übernommen. Dabei wollte Ganns auch Schluss machen mit Gerüchten über ihn: Er werde Schmid sehr wohl unterstützen, und er sei auch nicht als Vorsitzender des Gewerbeverbands zurückgetreten. Mit Fotos zeigte er auch, wie der Verband den Stadtbus beim Bürgerfest beworben habe – ein Fehlen dieser Bewerbung war ihm seitens der Stadt ebenfalls vorgehalten worden (worauf dann der Stadtbus beim Kirchweihmarkt heuer auch nicht gefahren war).

Günther Zellner dankte Ganns schließlich für seine „schönen Veranstaltungen“. Er bat um die Unterstützung der Vereine für seinen Nachfolger – vor allem auch im Hinblick auf das Bürgerfest. „Wir haben heute vieles erfahren und einiges gelernt“, bilanzierte er trocken am Ende der Sitzung (weiterer Bericht folgt).

siehe auch: ovb-online.de