Frühjahrsempfang „Wirtschaftliche Entwicklung in Bayern und im Rosenheimer Raum“

Was braucht die Wirtschaft an Infrastruktur vom Staat,
um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein?“

Unter diesem Motto stand der diesjährige Frühjahrsempfang der Wirtschaftsverbände Mangfalltal, der am 10.03.2016 bereits zum 26. Mal, jedoch zum ersten Mal in Kolbermoor in der Färberei des Giuseppe Cafés an der Alten Spinnerei stattfand.

Rund 65 interessierte Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur, darunter der 2. Bürgermeister aus Kolbermoor und stellvertretende Landrat Dieter Kannengiesser, Sebastian Obermaier (3. Bürgermeister von Bad Feilnbach), Reinhard Richter (Bürgermeister Bruckmühl), Wolfgang Janhsen (Leiter IHK Rosenheim) nahmen an der Veranstaltung teil.

Der Gastgeber dieser Gemeinschaftsveranstaltung war der BDS Ortsverband Kolbermoor (GvK) unterstützt durch Bruckmühl, Feldkirchen-Aying-Irschenberg, Bad Feilnbach, Werbering Mangfalltal, BHG-Rosenheim Stadt und Land und der Kreishandwerkerschaft Rosenheim. Der Gewerbeverband Kolbermoor (GvK) wurde repräsentiert, durch die Organisatoren Manuela Mack (2. Vorsitzende Gewerbeverband Kolbermoor/LaMack Media GmbH) und Jürgen Ganns (1. Vorsitzender Gewerbeverband Kolbermoor, MJ-Eventmanagement), der auch die anwesenden Gäste begrüßte mit den Worten:.
So wie für Andere die Leidenschaft der Sport ist, so ist es für Ihn die Wirtschaft und die Weiterentwicklung der Region und er freue sich darauf die Veranstaltung in Kolbermoor durchzuführen können.

Dieter Kannengießer sorgte anschließend für gute Laune, als er den Landkreis Rosenheim als einen der schönsten Landkreise bezeichnete, der die besten Rahmenbedingungen für eine tolle wirtschaftliche Entwicklung und einen entsprechenden Aufwärtstrend biete, vor allem auch Dank der hier ansässigen Gewerbetreibenden.

Franz Bergmüller leitete in seiner Funktion als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft Rosenheim-West zum Thema des Abends über. Äußerst wichtig beim Thema wirtschaftliche Entwicklung und Infrastruktur ist für ihn die behördliche Betreuung. Die Kommunen dürfen mit ihren Belangen nicht alleine gelassen werden.
„Die Axt ansetzen“ würde er gerne bei der immer mehr werdenden und zu lange dauernden Bürokratie.
Er sprach kurz die infrastrukturlichen Themen des Abends wie den Bahnverkehr (München-Rosenheim), die 3. Startbahn am Flughafen, die 2. Stammstrecke (München), den Straßenausbau der Region, die Energiewende in Bayern, die Erbschaftssteuer und die Dokumentationspflicht beim Mindestlohn an und leitete so zum Festredner des Abends Herrn Dipl.-Volkswirt Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, über.

„Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen“- mit diesem Zitat von Karl Valentin begann dieser seinen Vortrag, in welchem er auch, wie Dieter Kannengießer die gute wirtschaftliche Entwicklung bestätigte.
Lt. IHK-Umfrage boomt die Wirtschaft in Bayern. Warum? Die Zuwanderung der letzten Jahre, sichere Arbeitsplätze, steigende Einkommen, niedrige Zinsen, günstige Öl- und Benzinpreise sorgen dafür, dass Geld ausgegeben wird. Die Hälfte der befragten Unternehmen bezeichnen die Wirtschaftslage als „gut“ und weniger als jeder zehnte als „schlecht“. Auch der Export in Bayern stieg um 6,1 % an. Für die drei wichtigsten Absatzmärkte USA, Österreich und China sehen die Prognosen sehr positiv aus.
Dennoch wird die positive Stimmung durch die weltpolitischen Krisen, wie dem Ukrainekonflikt, der Euroschuldenkrise, dem Russlandembargo, der schleppenden Energiepolitik und dem Bürokratieaufbau beeinflusst. „Jede Medaille hat zwei Seiten“, so Peter Driessen.
Thema ENERGIE: 5 Jahre nach dem Atomunglück von Fukushima beschäftigt die Energiewende die Politik und die Wirtschaft mehr denn je. Bis 2022 will die Bundesregierung alle Kernkraftwerke hierzulande abschalten. Somit müssen ab 2022 die Hälfte des Stroms aus anderen Energiequellen herangeschafft werden, über Gaskraftwerke oder Importe aus anderen Ländern. Die EEG-Umlagen werden unweigerlich steigen. Jedoch ist Bayern jetzt schon benachteiligt, da der Strompreis für Industriebetriebe hierzulande mit 15,2 Cent je Kilowattstunde 27 % über dem EU-Durchschnitt liegt. Nach Peter Driessen sollte die „ industriefeindliche EEG-Umlage am besten abgeschafft, oder zumindest deutlich reduziert werden“.

Thema NIEDRIGZINS:
Auf den ersten Blick sei die Niedrigzinsphase absolut positiv. Sie ermögliche, günstige Kredite unter 2 % aufzunehmen, auch für Kommunen und mit langer Zinsbindung. Auf die lange Sicht stelle sie Kreditinstitute vor große Probleme. Wie sollen die Kosten gedeckt werden? Vielleicht wie in Großbritannien, wo ein Girokonto dem Bürger im Durchschnitt 300,00 €/Jahr kostet?

Thema FERNVERKEHR:

Wichtig für die Region Rosenheim sei auf alle Fälle der Ausbau der A8 auf 6-, bzw. noch besser 8-spurig, ebenso wie die Strecke nach Norden mit der B15 neu.
Diese und weitere Infrastrukturprojekte sind im Bundesverkehrswegeplan 2016 festgehalten, den Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt kommende Woche vorstellen wird. Jedoch sieht Peter Driessen hier wenig Hoffnung für schnelle Lösungen. Dennoch so Peter Driessen: „ Man muss das Thema angehen!“.

Thema FACHKRÄFTEMANGEL:
Laut Fachkräftemonitor 2016 werden 140.000 Fachkräfte benötigt, davon 85 % mit beruflicher Qualifikation und 15 % mit akademischer Qualifikation. Da jedoch immer mehr Schulabgänger studieren, wirbt die IHK für das duale Ausbildungssystem. Zudem zeigt die neue Kampagne „Elternstolz“ auf Plakaten, im Kino und im Radio, welche Zukunftschancen und wie viel Freude eine berufliche Aus- und Weiterbildung bieten kann.

Thema GRENZKONTROLLEN:
Die Grenzkontrollen und die damit verbundenen Staus an der österreichisch-bayerischen Grenze behindern sowohl die täglichen Pendler als auch das Transportgewerbe.
Im bayerischen Grenzgebiet leiden auch der Tourismus und die Einzelhändler mit Umsatzeinbrüchen bis zu 20 % darunter. Daher müsse die Kontrolle an den Außengrenzen der EU erfolgen.

Thema FLÜCHTLINGE:
Die Flüchtlinge werden den Fachkräftemangel allein nicht aufhalten oder verbessern können. Laut einer IAW-Studie schaffen lediglich 8 % eine erfolgreiche Integration im ersten Jahr ins Arbeitsleben, nach erst 15 Jahren sind es 70 %. Probleme sind unter anderem fehlende Sprachkenntnisse. In der Zukunft soll fachbezogener Sprachunterricht und ein neues Tool zu den Fähigkeiten der Flüchtlinge angeboten werden.

Thema BEZAHLBARER WOHNRAUM:
Der Wirtschaftsraum um München wird wachsen, bis 2030 werden 250.000 Menschen mehr dort wohnen. Es müssen bezahlbarer Wohnraum und Anreize geschaffen werden, sowie die Kommunen unterstützt werden. Die Mietpreisbremse sei der falsche Weg.

Zu guter Letzt wies Peter Driessen auf die bevorstehenden IHK-Wahlen und den Versand der Wahlbriefe Anfang April hin. Er regte alle Gäste an, sich an der Wahl zum „Parlament der Wirtschaft“, der IHK-Vollversammlung zu beteiligen.

Mit einem kleinen Film zum Thema „Wie sieht die bayerische Wirtschaft in Oberbayern 2030 aus?“ verabschiedete sich Peter Driessen aus dem Vortrag. Den Kurzfilm „Die Welt blickt auf Oberbayern“ finden Sie auf der Homepage der IHK unter www.muenchen.ihk.de/de/standortpolitik/Wirtschafts-und-Mittelstandspolitik/wirtschaftspolitische-positionen/zukunftskarte-oberbayern-2030 oder auch auf YouTube.

Bei einem köstlichen italienischen Flying Buffet bot sich den Gästen noch die Gelegenheit für anregende Gespräche und zum Erfahrungsaustausch. Veranstalter und Gäste waren sich einig, der Frühjahrsempfang war ein großer Erfolg und bietet die richtige Plattform, um Informationen aus erster Hand zu erfahren.

GvK