Geplantes Gewerbegebiet Aiblinger Au spaltet die Meinungen (Gelände der ehemaligen Gärtnerei Maindok)

Kolbermoor – In der jüngsten Stadtratssitzung stand erneut der Bebauungsplan für ein geplantes Gewerbegebiet auf dem Grundstück der ehemaligen Gärtnerei Maindok in der Aiblinger Au auf der Tagesordnung. Die Meinungen im Stadtrat waren gespalten:

Bürger demonstrierten

Vor dem Rathaus versammelten sich am Abend der Stadtratssitzung einige Bürger mit Transparenten um ihre Ablehnung zu signalisieren. Sie wollen kein Gewerbegebiet in der Aiblinger Au.

Auch im Stadtrat sorgte der Bebauungsplan wieder für Diskussionsbedarf.

Bürgermeister Peter Kloo (SPD) erläuterte zu Beginn, dass es eine sehr hohe Nachfrage an Gewerbeflächen gebe, es der Stadt jedoch an geeigneten Flächen fehle. „Wenn man schaut, welche Flächen zur Verfügung stehen, bleibt letztendlich nur das Gebiet der ehemaligen Gärtnerei Maindok.“

Stellungnahme der Verwaltung

Die Stadt geht für die gewerblichen Bauflächen von einem Bedarf von 20 ha in den nächsten 10-15 Jahren aus, um die Weiterentwicklung der Gewerbestrukturen zu sichern. Zur Vermeidung von störendem Gewerbeverkehr im Stadtzentrum sollen diese Flächenvorrangig entlang der Staatsstraße 2078 ausgewiesen werden. Es bleibt – sofern man über eine weitere Entwicklung von gewerblichen Ansiedlungen nachdenkt nur die Möglichkeit entlang der Staatsstraße nach Westen.

Die Diskussion im Stadtrat

Sebastian Daxeder (CSU) stellte zu Beginn der Diskussion klar: „Wir möchten diese Entwicklung innerhalb einer geordneten Langfristplanung haben und nicht auf Basis zufällig eingereichte Planungswünsche.“ (Lesen sie hier die ausführliche Stellungnahme des Stadtrats Daxeder)

Georg Kustermann (Grüne Liste) berief sich auf seine Aussage vom 3. Dezember. Es sei eine Grundsatzentscheidung. „Die Ausweisung von Gewerbe an dieser Stelle ist ein Fehler. Es ist eine kleine Fläche. Die Vorteile im Vergleich zu den Nachteilen sind sehr gering. Das Aufwand-Nutzen Verhältnis ist schlecht.“ Auch glaube Kustermann nicht, dass der Verkehrsfluss dadurch nicht beeinflusst werde. „Es ist einfach so, dass wir nicht grenzenlos Flächen haben.“ Es sei aber klar, dass man ein anderes Konzept für die Entwicklung erstellen müsse. Auch habe er erwartet, dass eine Bürgerbeteiligung vor dem Aufstellungsbeschluss erfolge, das sei seiner Meinung nach die richtige Vorgehensweise gewesen. „Wir machen genau das, was ein Stadtrat nicht machen soll. Wir treiben Spekulationen voran.

Zweiter Bürgermeister Dieter Kannengießer (Parteifreie) sah die Sache anders: „Am 27.7.2011 haben wir ganz klar gesagt, dass wir  Gewerbeflächen entwickeln.“ Ihm gehe es um eine langfristige Entwicklung. In den ersten zwei nichtöffentlichen Sitzungen in denen das Projekt bereits behandelt wurde, habe es ein klares Ja gegeben. Ihn verwunderte es, warum man nun in einer öffentlichen Sitzung zurückrudere. Kannengießer sei der Meinung, dass man den Ansatz machen solle.

Auch Dagmar Levin, dritte Bürgermeisterin (SPD) betonte, dass die Sache wirklich eingehend abgeklopft wurde. „Wenn behauptet wird, dass die Stadt das nicht verfolgt hat, ist das schlichtweg falsch.“ Man habe das in vielen Sitzungen geprüft. „Alle anderen Belange, die privatrechtlicher Natur sind, sind für uns nicht von Belang. Eine drohende Ausweitung Richtung Pullach ist nicht gegeben. Es geht nur um das eine Gelände.“

Sonja Weczerek (Republikaner) äußerte sich kritisch dazu: „Die Bürger sind mündig. Man darf Kritik üben. Mich haben viele Bürger dazu angerufen.“ Ein Gewerbegebiet solle ihrer Meinung nach lange geplant werden, was hier nicht gemacht wurde. Weczerek fühle sich nach eigener Aussage genauso überrumpelt we die Bürger. Deshalb wolle sie einen Bürgerentscheid.

Bürgermeister Kloo war der Auffassung, dass man sich auf Grund der schon vorgefertigten Meinungen eine große Diskussion sparen könne. Es sei ein ergebnisoffenes Verfahren. „Irgendwann müssen wir den ersten Schritt machen um zu einem Ergebnis zu kommen.“ Es gehe hier um einen Bebauungsplan Vorentwurf, der noch keine Tiefenschärfe habe.

Nach Markus Schiffmann (CSU) solle man einen Umgriff auf ein Gewerbegebiet durchaus diskutieren.

Kustermann erklärte abschließend, dass die Diskussion gezeigt habe, dass man in den nächsten Wochen um eine Grundsatzdiskussion darüber, was in diesem Gebiet entstehen soll nicht drum herum kommen werde. Das richtige Prozedere sei, sich den Flächennutzungsplan von der Zugspitzstraße bis zum Maindok Gelände anzuschauen. Auch wäre seiner Auffassung nach eine Teilbürgerversammung mit den Anliegern angebracht.

Die Entscheidung

Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Gewerbegebiet Aiblinger Au West“ wurde vom Stadtrat mit 12:8 Stimmen abgelehnt.

Im Vorfeld:

Schon in der Stadtratssitzung vom dritten Dezember gab es Diskussionsbedarf wegen der Änderung des Flächennutzungsplanes für den Bereich Auhof.

Die CSU Kolbermoor veranstaltete daraufhin im Dezember einen Ortstermin für interessierte Bürger und Anlieger. Fraktionsvorsitzender der CSU, Sebastian Daxeder, sowie die Stadträte Markus Schiffmann und Tobias Müller waren vor Ort und standen Rede und Antwort.

Viele Bürger und Anwohner waren gekommen, darunter auch einige ehemalige sowie aktuelle Stadträte, Jürgen Ganns, Vorsitzender vom Gewerbeverband, war mit Kollegen vor Ort, Katharina Meidinger vom Bund Naturschutz, Else Huber von den Grünen sowie Stefan Reischl von den Parteifreien. Das Publikum war also bunt gemischt.

Man wolle „Fakten klären und keine Gerüchte schüren,“ so Daxeder.

Familie Müller vom Auhof schilderte ihre Situation: „Uns wurde die Fläche definitiv zu keinem Zeitpunkz zum Kauf angeboten. Wir haben vor zwölf Jahren den Pachtvertrag abgeschlossen, welcher 2016 ausläuft.“ Ihre Sorge sei auch, dass es keine Steuerungsmöglichkeit für den Stadtrat mehr gäbe, wenn das Gelände als Gewerbegrund verkauft werde.

Lesen Sie auch die Stellungnahme von Bürgermeister Peter Kloo und den weiteren Bürgermeistern Dieter Kannengießer und Dagmar Levin  zu dem Thema

Quelle Mangfall24.de