„Langfristige Planungen und Verkehrskonzepte schaffen“

Nach der CSU äußerte sich jetzt auch der Kolbermoorer Gewerbeverband kritisch zu dem geplanten Gewerbegebiet in der Aiblinger Au. Kolbermoor.

Der Erste Vorsitzende, Jürgen Ganns, betonte, er vermisse vor allem langfristige Konzepte in der Stadtplanung. Bürgermeister Kloo verweist dazu auf den Flächennutzungsplan. Auf dieser Planungsgrundlage treffe der Stadtrat seine Entscheidungen.

– Der Gewerbeverband befürwortet grundsätzlich wohnortnahes Gewerbe, fragt jedoch, wo der Vorteil für die Kolbermoorer liegen soll: „Wenn Weichen für weiteres Wachstum von Kolbermoor gestellt werden, so ist die Situation genau zu analysieren und es sind einige grundlegende Fragen zu beantworten. Nur so könne man Widerstand gegen Neuerungen und Veränderungen abbauen.

In seinen Augen fehle der Stadt ein schlüssiges Verkehrskonzept. „In der Tat sind mit den neuen Ansiedlungen in den letzten Jahrzehnten kaum neue Verkehrsachsen in Kolbermoor hinzugekommen.“

Die Anbindungen nach Norden seien beklagenswert. Hier würden immer mehr Wohnbebauungen engstens an wichtige, aber meist zu schmale Straßen gebaut. Überhaupt ließen sowohl die Nord-Süd und Ost-West-Verbindungen zu wünschen übrig. Vorstandsmitglied Wolfgang Krebs findet, es sei höchste Zeit, zu benennen, wo eine weitere Nord-Süd-Entlastungsachse entstehen solle, wo Entlastungsbrücken und wo eine Ost-Westachse.

Der Gewerbeverband findet auch Lob für die Stadt: Kolbermoor habe in den letzten Jahrzehnten einige bemerkenswerte Projekte angegangen, wie das Spinnereigelände, den Gewerbepark Mitterhart oder den Hertopark. Aber großflächige Planungen seien nicht wirklich vorangekommen.

„Betroffene Anwohner haben ein Recht darauf, langfristig über solche Pläne Bescheid zu wissen“, betont Ganns. Hier solle in Generationen gedacht werden. „Das wird aber wegen der verschlafenen Entwicklung zunehmend schwieriger. Und die Leute einfach zu überrumpeln, wie leider auch schon öfters beobachtet, schafft weder Vertrauen noch Investitionsbereitschaft.“

Langfristige Planungen fänden nicht überall Freunde, seien aber unumgänglich. Sie verhinderten Fehlinvestitionen bei der Kommune, bei Betrieben und Bürgern.

So könnte sich seiner Meinung nach durchaus in der Aiblinger Au ein zentrumnahes Bade- und Erholungsgelände (ähnlich Happingerausee) durch Synergien mit Hochwasserschutz und größeren Straßenbauten verbinden lassen. Auch wenn Hochwasserentlastungen verstärkt im Westen Aiblings geplant seien, so befände sich das geplante Gewerbegebiet mitten in einer kritischen sensiblen Hochwasserzone, in welcher potenzielle Erweiterungen der Überflutungsflächen in Verbindung mit anderen Maßnahmen durchaus sinnvoll sein könnten.

„Gewerbehof“ statt „Auhof“ oder umgekehrt“ – das kann deshalb in den Augen des Gewerbeverbands nicht die Antwort sein. „Ganz abgesehen davon, dass größere Investitionen zumindest in ihrer Abschreibungsdauer einen Bestandsschutz genießen sollten“, so Ganns.

Bürgermeister Peter Kloo betont auf Anfrage des Mangfall Boten, dass der Stadtrat seit den Jahren 1984/85 mit der Strukturplanung beschäftigt sei. „So langsam fügen sich die letzten Mosaiksteinchen ein“, beschreibt Kloo, „doch inzwischen sind wir natürlich darüber hinaus auch mit zukünftigen Plänen befasst, wie beispielsweise mit dem Bahnhof und seinem Vorplatz.“ Dazu komme der Landesentwicklungsplan, der auch nicht von heute auf morgen entstehe. „Natürlich habe ich eine Strategie“, betont der Bürgermeister.

Zu den Verkehrsproblemen mahnt Kloo: „Bei einer Achse im Westen irgendwo zwischen Pullach/Aiblinger Au nach Norden Richtung Großkarolinenfeld wären wir ja wieder bei der B15 neu, die eigentlich keiner mehr will. Außerdem müsste so eine Nord-Süd-Verbindung mitten durch Wohngebiete führen, auch das will sicher niemand.“

Viel dringender sei in seinen Augen eine Ost-West-Verbindung, die jedoch nur in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Stadt- und Umlandbereich Rosenheim (SUR) eine Chance habe. Kolbermoor allein könne da nichts bewirken, so Kloo. In der SUR arbeiten umliegende Städte und Gemeinden an einem gemeinsamen Entwicklungskonzept.

Von Überrumplung bei den Vorbesprechungen zum geplanten neuen Gewerbegebiet könne auch keine Rede sein, so Kloo. Er sei der Meinung, dass zuerst der Stadtrat einen Beschluss fassen müsse, der dann allen Vereinen, Behörden, Nachbarn und sonst wie Betroffenen zur Ansicht vorgelegt werde. Ihre Einwendungen würden dann im Stadtrat mit großer Sorgfalt abgewogen. Erst dann würden weitere Beschlüsse gefasst. Dieser Weg habe sich in der Vergangenheit bewährt, so Kloo.

Quelle OVB Online Kolbermoor