Sorge um die Entwicklung

GEWERBEVERBAND KOLBERMOOR IM GESPRÄCH MIT DER INTERESSENGEMEINSCHAFT AICHERPARK

Erst kommt der Verkehr zum Erliegen, nun auch die wirtschaftliche Entwicklung in Kolbermoor? Dieser Frage ging jetzt der Gewerbeverband Kolbermoor nach und führte dazu auch Gespräche mit der Interessengemeinschaft Aicherpark. Gerade vom nächsten Bauabschnitt der Westtangente mit halbseitigen Sperrungen in der Georg-Aicher-Straße sind beide Städte betroffen.

Kolbermoor – Einig war man sich, dass leistungsfähige Straßen – sowohl in Nord-/Süd- als auch in Ost-/Westrichtung fehlten. Pförtnerampeln (wie beim Rathaus) bremsten zwar den Verkehr herunter, lösten aber kein Problem. Darüber stöhnten nicht nur die Gewerbebetriebe im Aicherpark Rosenheim. „Das jahrzehntealte Konzept der Verkehrsverhinderung in Rosenheim und Kolbermoor muss als gescheitert betrachtet werden,“ waren sich Jürgen Ganns, Vorsitzender des Gewerbeverbands Kolbermoor, und Hans Schussmann, Sprecher der Interessengemeinschaft Aicherpark, einig. Es habe den Betroffenen zusammengerechnet Wochen und Monate Lebenszeit in Staus gekostet und der Umwelt gewaltige Zusatzbelastungen durch den Stop-and-go-Verkehr beschert. Als Alternative käme das „schrittweise Aufbohren bestehender Verkehrsachsen“ in Frage (Rosenheim habe beispielhaft in rund 20 Jahren die Äußere Münchner Straße vierspurig ausgebaut), oder es würden, ähnlich Panorama-Schwaig, neue Verbindungsachsen geschaffen. Die Staatsstraße müsse ertüchtigt werden. Eventuell müsste eine weitere Parallelachse zur Rosenheimer Straße aus dem Aicher-Gelände entlang der Bahnlinie geöffnet werden. Bei der Nord-Südanbindung empfehle sich eine neue Trasse westlich der Kolbermoorer Siedlungsgrenzen von Großkarolinenfeld bis südlich von Pullach mit einer dritten Mangfallüberquerung. An dieser Stelle wären die Bedürfnisse von Bad Aibling und Großkarolinenfeld gleich mit zu koordinieren.

Angesprochen wurde auch das Gewerbeprojekt Auhof, für das sich der Stadtrat trotz erheblicher Vorarbeiten der Parteien und intensiver Bemühungen von Bürgermeister Peter Kloo auch nach mehreren Anläufen nicht entscheiden konnte. Die überwiegende Mehrheit des Stadtrates wünsche zwar, das neue, effiziente Gewerbebetriebe entstehen, die denWohlstand in der Region fördern und wohnortnahe Arbeitsplätze bieten – aber der Versuch des Investors scheiterte. Tatsache sei, dass in und um Kolbermoor nur relativ kleinteilige Flächen vorhanden seien. Deren Anbindungen werden oftmals wenig den modernen Standards und Bedürfnissen gerecht. Der Gewerbeverband Kolbermoor wünschte sich dazu eine zukunftsgerichtete Gesamtüberplanung des Stadtgebietes mit leistungsfähigen Verkehrswegen, einer leistungsfähigen Infrastruktur inklusive weiterführender Schulen, Schaffung von großflächigen Naherholungsbereichen und Ausweisung von ausreichend großen Flächen für die Ansiedelung von Industrie und Handel.

So wäre etwa entlang der Mangfall ein Naherholungsgelände ähnlich dem Happingerausee westlich von Rosenheim denkbar, oder westlich der Westtangente, Am Rothbachl, nahe der Aiblinger Au oder südlich der Staatsstraße in der Nähe des Kaltenbrunnbaches. Hochwasserschutz und Verkehrsgroßprojekte könnten beflügelnde Synergien schaffen.

Dass großflächige Überplanungen und Einschaltung von Investoren auch positive Effekte für die Bevölkerung haben können, dürften sowohl der Herto-Park, als auch das Spinnerei-Gelände zeigen, war man sich einig.

Der Gewerbeverband setzt auf konstruktive Dialoge mit allen Beteiligten, um „Kolbermoor den konkreten Weg in ein neues, wirtschaftlich attraktives Zeitalter zu ebnen“. Langfristige Planungen seien die günstigste Versicherung gegen unliebsame Entwicklungen.

Der Gewerbeverband Kolbermoor will den Kontakt mit der Interessengemeinschaft Aicherpark ausbauen. Auch mit den anderen benachbarten Gewerbeverbänden ist man im Gespräch – zum nächsten Mal bereits am Donnerstag, 10. März, beim gemeinsamen Frühjahrsempfang der Wirtschaftsverbände Mangfalltal in der Färberei in der Alten Spinnerei. Dort sind auch die BDS (Bund der Selbständigen)- Ortsverbände Bruckmühl, Feldkirchen-Aying-Irschenberg, Bad Feilnbach, der Werbering Mangfalltal, der Hotel- und Gaststättenverband Rosenheim Stadt und Land und die Kreishandwerkerschaft Rosenheim vertreten.

Als Redner bei dieser Veranstaltung wird sich der Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, Diplom-Volkswirt Peter Driessen, des Themas „Wirtschaftliche Entwicklung in Bayern und im Rosenheimer Raum –  Schwerpunkt Infrastruktur“ annehmen. Er geht der Frage nach, was die Wirtschaft vom Staat an Infrastruktur brauche, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. GvK

Quelle OVB Online Kolbermoor