Verkehrspolitik erhält die Note unzureichend

Kolbermoor – Die Verkehrspolitik und die Staus der vergangenen sechs Wochen sind Anlass für den Gewerbeverband Kolbermoor zu fragen: „Funktioniert unsere Demokratie noch?“

Jürgen Ganns, Vorsitzender des Gewerbeverbands, bemängelt: „Mehrere 10000 Menschen steckten in den vergangenen sechs Wochen in teils stundenlangen Staus zwischen Kolbermoor und Rosenheim. Auf der Rückfahrt stellten die Betroffenen immer wieder fest, dass sich im Bereich der eigentlichen Fahrbahn bautechnisch meist sehr wenig tat. Eigentlich standen fast immer reichlich Fahrbahnbreiten, selbst für Gegenverkehr, zur Verfügung. Nur die Absperrungen blockierten trotzig den Weg.“

Er glaubt, dass hier „für eine bequeme (und ein kleines bisschen billigere) Baustelle viele 10000 Stunden von uns Bürgern ohne echte Not geopfert wurden. Bis auf drei bis vier Tage (oder besser Nächte) wäre der doppelseitige Verkehr immer aufrecht zu erhalten gewesen – sind doch fast 90 Prozent der Distanz sowieso vierspurig ausgebaut. Natürlich gibt es auch bei so einer Baustelle zu berücksichtigende Sicherheitsbelange. Diese sollten aber angemessen sein.“

Der Gewerbeverband Kolbermoor hatte in Kenntnis der lokalen Nöte nach Bekanntwerden der beabsichtigten Maßnahme auf die zu erwarteten Probleme und die Alternativen hingewiesen und sich gemeinsam mit dem Zweiten Bürgermeister von Kolbermoor, Dieter Kannengießer, bemüht, diese Störungen zu verhindern.

Arbeitsstunden

gingen verloren

Neben den vielen unnötig verursachten Fahrkilometern auf den Ausweichstrecken, wären die zusätzlichen Unfallrisiken, vor allem aber die Kosten für uns Bürger und für unsere Betriebe zu berücksichtigen, so Ganns. Wolfgang Krebs, Beisitzer beim Gewerbeverband, rechnet vor: „Alleine die verlorenen, aber zu bezahlenden Arbeitsstunden für die Betriebe dürfte wenigstens einen sechsstelligen Betrag in dieser Zeit verursacht haben. Von den vielen verpassten Terminen und Geschäften ganz abgesehen.“

Wünschenswert wäre seiner Meinung nach, dass solche Belastungen bei Entscheidungen frühzeitig transparent gegengerechnet werden. Dazu müssten unabhängige, einigermaßen sachkundige Vertreter vor Ort ein Mitspracherecht erhalten. Bürgermeister und viele gewählte Vertreter sind schnell auf Gutachter angewiesen und haben Probleme, wenn sich die Baumaßnahme in der Verantwortung des Landes oder Bundes befindet.

Fakt bleibt in seinen Augen: „Wenn wir Bürger und Steuerzahler uns als Kunden der Straßenbaubehörden sehen, dann haben unsere ,Staatsdiener‘ hier die Bedürfnisse ihrer Kunden aus den Augen verloren. Wir bräuchten zur Verhinderung ähnlicher Vorgänge neutrale Schlichtungsstellen, welche schnell anzurufen und handlungsfähig wären, wenn wieder einmal im Ergebnis unsinnige Regeln oder Vorgaben uns Bürger strapazieren. Ansonsten verkrustet unsere Demokratie immer mehr und der Bürger fühlt sich machtlos.“

Der nächste Bewährungsfall steht mit der Brückensanierung in der Brückenstraße im Raum, so Oliver Nowotny, Schriftführer vom Gewerbeverband. „Dann werden wir wissen, ob aus den Erfahrungen an der Staatsstraße Lehren gezogen wurden. Die Planungen sehen eine fast einjährige Sperrung vor, was aus Sicht des Gewerbeverbands vor allem die Unternehmen in der Alten Spinnerei und auf der Spinnereiinsel treffen wird.“

GvK