Zwangsgeld für den Gewerbeverband

Eigentlich war der Kirchweihmarkt am vergangenen Sonntag in Kolbermoor ein gelungenes Ereignis: Bei strahlendem Sonnenschein kamen rund 100 Aussteller und Tausende von Besuchern auf ihre Kosten. Hinter den Kulissen schaut es allerdings anders aus: Wegen nicht erfüllter Auflagen in Sachen Sicherheit fordert die Stadt jetzt ein Zwangsgeld in Höhe von 2500 Euro vom Gewerbeverband, der den Markt veranstaltete. Jürgen Ganns, dessen Vorsitzender und Marktmeister, versteht die Welt nicht mehr.

Kolbermoor – Für Albert Paukert, den Leiter des Ordnungsamtes der Stadt, sind die Sicherheit, also die Sorge um Gesundheit und Leben der Betreiber, Besucher und Anwohner, sowie die Umwelt die zentralen Punkte, wenn die Stadt eine Veranstaltung genehmigt (wir berichteten). Dazu gibt es Auflagen, deren Einhaltung man auch mit der Androhung von Zwangsgeldern erreichen möchte, zumal das Thema Sicherheit einen immer größeren Stellenwert bekommt. Bereits beim Bürgerfest, das der Gewerbeverband zusammen mit Kolbermoorer Vereinen veranstaltet, hatte das Amt zahlreiche Punkte moniert, etwa Stromkabel, die ohne Schutz am Boden lagen. Für den Kirchweihmarkt wurden die Forderungen noch einmal erweitert: Die Rettungsgasse beispielsweise müsse durchgehend fünf Meter Breite aufweisen, Zu- und Ausgänge zu den Häusern müssen gradlinig und mindestens 1,25 Meter breit zur Straße frei bleiben, dürfen also nicht verstellt werden.

Albert Paukert und sein Mitarbeiter Thomas Rothmayer kontrollierten dann zum Marktbeginn – und kamen auf eine Liste von Verstößen, von denen fünf mit dem Zwangsgeld belegt werden: Ein Imbisswagen blockierte die Rettungszufahrt, vom Bauhof gelieferte mobile Zufahrtssperrungen seien zum Großteil nicht aufgebaut worden, Kabelverlegungen seien in vielen Fällen wieder nicht abgedeckt gewesen, eine nicht genehmigte Flüssiggasanlage wurde gesichtet sowie verstellte Zugänge zu Häusern. Außerdem, so Paukert, sei „Herr Ganns nicht bereit gewesen, mit den Vertretern des Ordnungsamtes die Veranstaltung zu kontrollieren.“ Zufällig war man genau an besagtem Imbisswagen aufeinander getroffen.

Ganns dagegen betont, extra wegen der neuen Auflagen die Stände zu 90 Prozent umplatziert zu haben. „Von 128 Ständen waren maximal zehn auf ihrem alten Platz“. Das Umstellen sei nicht so einfach, denn die Stände seien teilweise zehn, zwölf Meter lang und sogar länger; und dann gebe es ja nicht nur die Hauseingänge zu beachten, sondern auch zahlreiche Steinpoller, Bäume und Laternen. In der Nacht vor dem Kirchweihmarkt sei er, Ganns, erst von einem beruflichen Einsatz aus Berlin gekommen und habe dann ab Mitternacht mit Helfern noch die Bodenmarkierungen für die Stände angebracht, „damit ich ja alles recht mache“.

Er räume ein, dass nicht alles perfekt gelaufen sei, dass man aber auch vonseiten des Amts „die Kirche im Dorf lassen“ müsse. Vonseiten eines Standlbetreibers habe er gehört, dass Paukert einen offenen Stromverteilerkasten fotografiert habe. Der sei wieder geschlossen gewesen, als Ganns vorbei kam, weil das fragliche Kabel inzwischen eingesteckt war. Ganns fotografierte als Beweis den geschlossenen Stromkasten…

Auch Standlbetreiber, so Ganns, hätten sich über das rigorose Auftreten des Chefs des Ordnungsamtes gewundert. Er sei seit 25 Jahren an dieser Stelle, so der Betreiber des besagten Imbisswagens, aber so ein „Riesen-Heckmeck“ wie heuer habe es noch nie gegeben. Woanders werde auch mal ein Auge zugedrückt, und auch bei Märkten in Rosenheim sei nicht jedes Kabel abgedeckt. Der Disput zwischen Paukert und Ganns vor seinem Wagen sei sehr unangenehm gewesen.

Inzwischen habe er das Gefühl, er solle von seiten der Stadt als „imkompetenter Mensch“ hingestellt werden, so Ganns. Auch Aussteller hätten ihn gefragt, ob die Stadt Kolbermoor ein Problem mit dem Markt oder mit ihm hätte. „Herr Ganns bräuchte nur einen Mitarbeiter, der sich zwei, drei Stunden um die Auflagen kümmert – dann würde es passen,“ so Albert Paukert. Man habe das Zwangsgeld für die fünf gravierendsten Punkte festgelegt; es habe aber auch noch weitere Beanstandungen gegeben, etwa in Sachen Lebensmittelhygiene. So seien Krapfen direkt vom Tisch verkauft worden – ohne den erforderlichen „Spuckschutz“. „Da hätte jeder drauf niesen können“.

Differenzen zwischen der Stadtverwaltung und dem Gewerbeverband hatte es im Vorfeld bereits in Sachen Stadtbus gegeben. Letztes Jahr war er zum Kirchweihmarkt gefahren, heuer nicht. Elisabeth Kalenberg, Geschäftsleiterin der Stadt Kolbermoor und für die Busse zuständig, betont, man wolle, wenn man den erhöhten Aufwand mit den zusätzlichen Fahrten mache, dass der Gewerbeverband im Gegenzug den Bus auch umfänglich bewirbt. Da sei man heuer nicht zusammengekommen. Ihr persönlich habe es „unendlich leid getan“ im Hinblick vor allem auf ältere Mitbürger, die mit dem Bus den Markt hätten erreichen können.

Er habe aber auch beim Bürgerfest schon Werbung für den Stadtbus gemacht, betont Ganns, und habe dann, trotz der Absage, dem Stadtbus einen kostenlosen Infostand auf dem Kirchweihmarkt gegeben. Er engagiere sich ehrenamtlich für ein „Kolbermoor – Stadt voller Leben“, wenn er aber immer nur fertig gemacht werde, könne er sich auch einen Rücktritt von seinen Aktivitäten vorstellen.

Er hofft auf eine Aussprache – und die dürfte wohl für den 7. November anstehen. Dann tagt das Ortskartell im Mareissaal. Von den Vertretern der Vereine hat Ganns im Vorfeld bereits eine stärkere Unterstützung bei Organisation und Durchführung des Bürgerfestes gefordert (wir berichteten). Er verlangt definitive Unterstützung von sieben Teams, die für unterschiedliche Bereiche zuständig sind. Und der Christkindlmarkt, ebenfalls organisiert vom Gewerbeverband, steht sozusagen auch schon vor der Tür. An Gesprächsstoff dürfte es demnach nicht mangeln…

siehe auch: ovb-online.de